Badischer Aufstand

Fall der Festung Rastatt, 1849
Fall der Festung Rastatt, 1849

[Deutschland, Mai 1849]

Ende 1848 hatten die alten Kräfte in Preußen gesiegt; König Friedrich Wilhelm IV. hatte die Preußische Nationalversammlung aufgelöst und im Dezember 1848 eine Verfassung „oktroyiert“. Anfang Februar 1849 wurde die Zweite Kammer, die Abgeordneten Kammer Preußischen Landtags gewählt – die Wahlen stärkten die Demokraten.

Professor Gottfried Kinkel, MdL (1849)

Der Zug war längst abgefahren, Dampf und Rauch hingen noch über dem Gleis. Trotzdem standen noch viele Menschen auf dem Bahnsteig, mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen in der Hand, und winkten dem Zug nach Berlin hinterher. An Bord war auch der Bonner Professor Gottfried Kinkel, der gerade in die Zweite Kammer des Preußischen Landtags gewählt worden war. Auch Hubert Limbach, inzwischen ein greiser Herr, und seine Familie hatten es sich nicht nehmen lassen, ihm noch einmal zuzuwinken.

Viel Hoffnung begleitete Kinkel, und manch einer wollte die eigenen Zweifel überhören. Ob die demokratischen Parlamentarier dort überhaupt noch etwas ausrichten konnten? Die Demokraten lehnten die vom König „oktroyierte“ Verfassung als ungesetzlich ab; den Stockkonservativen hingegen ging sie viel zu weit. Dennoch gab es Grund zur Hoffnung, denn trotz aller Rückschlage war Preußen ein Verfassungsstaat und eine konstitutionelle Monarchie geblieben. Österreich hingegen war wieder ein absolutistisch regiertes Kaiserreich. Sollte man also froh sein und auf die Deutsche Nationalversammlung hoffen?

Eine Krone mit dem „Ludergeruch der Revolution“

Am 28. März 1849 verabschiedeten die Parlamentarier in der Paulskirche endlich die Verfassung. Die Grundrechte waren aufgenommen worden. Es sollte eine konstitutionelle Monarchie mit einem Erbkaiser an der Spitze sein. Der Kaiser sollten die Reichsminister berufen, doch dem Reichstag wären sie verantwortlich. Der Reichstag sollte das Recht der Gesetzgebung haben und nach allgemeinem und gleichem Wahlrecht gewählt werden. Die Abgeordneten wählten mit 290 von 538 Stimmen Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum Kaiser. Dabei enthielten sich die Großdeutschen.

Im April 1849 traf eine Delegation der Nationalversammlung in Berlin ein und trug dem König die Kaiserkrone an. Mit dabei war Ernst Moritz Arndt. Höflich, aber unmissverständlich lehnte der König ab. Wohl fand er, dass die Familie der Hohenzollern die Kaiserkrone mit Würde tragen könnte, aber sie vom Volk zu empfangen, war mit seinem Verständnis der Herrschaft von Gottes Gnaden nicht zu vereinbaren. Eine Krone mit dem „Ludergeruch der Revolution“ wollte er nicht.

Damit hatte der Friedrich Wilhelm IV. das Werk der Nationalversammlung endgültig zum Scheitern gebracht. Die Nationalversammlung löste sich auf – zum Teil freiwillig, zum Teil wurden die Parlamentarier zurückgerufen. Ein „Rumpfparlament“ musste nach Stuttgart übersiedeln, doch schließlich löste die württembergischen Regierung es auf.

Als die preußische Abgeordnetenkammer die Paulskirchenverfassung anerkannte, hatte sie nach Meinung der Krone ihre Kompetenzen überschritten. Deshalb wurde sie im Mai 1849 aufgelöst. Für Juni 1849 wurden Neuwahlen angesetzt, und eine Notverordnung verfügte anstelle des allgemeinen und gleichen Wahlrecht ein Dreiklassenwahlrecht. Die nach Steueraufkommen gebildeten Klassen stellten jeweils ein Drittel der Wahlmänner, so dass der politische Einfluss der wohlhabenden Wähler um ein Vielfaches größer war als der der ärmeren Wählergruppen. Das würde eine andere Mehrheit bringen.

Aufstand in Baden und in der Pfalz

Nach Monaten des Hoffens und Bangens waren viele Menschen zutiefst enttäuscht, und neue Kämpfe brachen aus. Eine zweite demokratische Aufstandsbewegung mit Schwerpunkt in Baden und in der Pfalz wollte die Fürsten zu Annahme der Paulskirchenverfassung zwingen. In Baden hatte sich fast die ganze Armee des Großherzogtums ihr angeschlossen und den Aufständischen die Festung Rastatt in die Hände geliefert. Nun rief Fürst Leopold von Baden preußische Soldaten zu Hilfe. König Friedrich Wilhelm IV. zögerte keinen Augenblick – preußische Truppen, angeführt vom Prinzen Wilhelm, sollten den Aufstand niederschlagen.

Auch im preußischen Rheinland wurde mobilisiert, viele Männer wurden einberufen, um in Baden die Aufständischen zu bekämpfen. Für viele hieß das, gegen die eigene Überzeugung zu handeln. Die Aufregung war gewaltig, doch den Realisten war längst klar, dass Reden allein die preußische Regierung und das Militär nicht aufhalten konnten.

Nach der Auflösung der Abgeordnetenkammer des Preußischen Landtages war ein tief enttäuschter Professor Gottfried Kinkel nach Bonn zurückgekehrt. Nach seinem Verständnis hatte der König von Preußen eine Verständigung mit der Krone und auch die Hoffnung auf sozialer Reformen zunichte gemacht. Um die Reichsverfassung und die nationale Einheit in Freiheit noch retten blieb nur, Seite an Seite mit den Aufständischen in Baden und in der Pfalz zu kämpfen.

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