Wilhelm und Augusta am Rhein

Astudin, Koblenz
Astudin, Koblenz

[Rheinprovinz, 1851-1858]

Nach der Niederschlagung des Aufstandes in Baden und in der Pfalz war Prinz Wilhelm von Preußen war zum Generalgouverneur der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen ernannt worden. Seinen Wohnsitz nahm er in der Hauptstadt Koblenz und residierte mit seiner Gattin Augusta im Kurfürstlichen Schloss. Ihr Sohn Friedrich studierte im nahen Bonn Rechtswissenschaften und war damit der erste preußische Thronfolger, der eine akademische Ausbildung erhielt.

Augusta und Koblenz

Schnell freundete sich Prinzessin Augusta mit der Region an. Hier konnte sie sich auch entfalten, denn glücklich war ihre Ehe und ihr Leben am Berliner Hof nicht. Nicht nur, weil sie durch dynastische Überlegungen zustande gekommen war, sondern auch, weil Wilhelm eben deshalb seine große Liebe nicht hatte heiraten können, was er nicht verwandt. Augusta, die gehofft hatte, dass Wilhelm zu ihr finden würde, musste das bald einsehen. Man respektierte sich, aber mehr auch nicht. Dann war sie die Frau des jüngeren Bruders, sie war eine selbstbewusste, hochgebildete und politische Frau ohne eigene Aufgaben, die sie ausfüllten. Auch, wenn sie und Wilhelm gerade am Potsdamer Babelsberg ihr Schloss gebaut hatten. Damit kam sie nicht zurecht, und das machte das Leben für sie und ihre Umgebung nicht leicht.

All das sollte in Koblenz anders werden. Augusta ließ das Koblenzer Rheinufer im Stil eines Landschaftsgartens gestalten: „Es soll dem Volke […] geboten werden, ein Aufenthalt außerhalb der kleinen Wohnung und Gasse für Frau und Kind, des Wirtshauses für den Mann: als ‚reine Luft‘ in jedem Sinne, Auf dass die gottgesegnete Gegend auch die Menschen zu erhöhtem und warmen Daseinsgefühle erhöbe.“ Im Ergebnis entstanden unter anderem eine Bibliothek in der Trinkhalle, ein Observatorium und zahlreiche Kunstdenkmäler und Plastiken an der Uferpromenade.

Auch konnte sie Koblenz ein Hofleben zu gestalten, wie sie es aus ihrer Kindheit am Weimarer Hof gewöhnt war. Hier verkehrten liberale Menschen, und auch Wilhelm fand während dieser Jahre zu einer gemäßigt-konservativen Haltung. Augusta wollte die Rheinlande für Preußen gewinnen, und achtete durchaus das Engagement der katholischen Kirche. Auch Wilhelm lernte die Tätigkeit Rheinländer für die preußische Krone durchaus schätzen. Das trug den beiden manchen Rüffel vom königlichen Hof in Berlin ein.

Hohenzollern am Rhein

Jean, der tüchtige Kapitän bei der Preußisch-Rheinischen-Dampfschiffahrtsgesellschaft, lächelte. „Aber Majestät“, dachte er, „Ihr genießt das Leben am Rhein doch auch.“ Inzwischen waren viele Burgen am Rhein in der Hand der Hohenzollernfamilie. König Friedrich Wilhelm IV. selbst hatte schon als Kronprinz die Burg Stahleck für seine Frau Elisabeth Ludovika von Bayern gekauft, 1843 Prinz Wilhelm die Burg Rheinfels, und auch Rheinstein war im Besitz der Familie Hohenzollern.

In Rolandseck bekam Wilhelm sein Palais mit seinem eigenen Gleisanschluss gebaut, als 1856 die Eisenbahnlinie von Köln nach Bonn bis Rolandseck weitergeführt wurde. Nahe am Rhein sollte der neue Endpunkt sein, um ein bequemes Umsteigen auf die Dampfschiffe zu ermöglichen. 1858 war das Bahnhofsgebäude fertig und so ausgestaltet, dass man in ihm Gesellschaften geben konnte, und Rolandseck war zu dieser Zeit mit dem sagenumwobenen Rolandswerther Rolandsbogen ein Inbegriff rheinischer Romantik. Der Bahnhof Rolandseck schnell wurde zum Treffpunkt der Adligen, Schönen und Reichen, die hier von der Endstation der Privatbahn auf das Rheinschiff oder die Kutsche wechselte.

Neue Ära

In seinen letzten Lebensjahren erlitt König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen mehrere Schlaganfälle und konnte seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen. 1858 dankte er zugunsten seines Bruders Wilhelm I. ab, der als Prinzregent die Regierungsgeschäfte übernahm. Nun wurde der ehemals verhasste „Kartätschenprinz“ Wilhelm für viele Menschen zum Hoffnungsträger, zumal er liberale Minister berief und gleich den stockkonservativen Oberpräsidenten der Rheinprovinz entließ.

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