Rheinkrise

Hoffmann von Fallersleben schrieb das "Deutschlandlied"
Hoffmann von Fallersleben schrieb das "Deutschlandlied"

[Deutschland und Frankreich, 1837]

Seit gut zehn Jahren fuhr Jean, der Offizier der Preußisch-Rheinischen Dampfschifffahrtsgesellschaft, nun auf dem Rhein. Er war rheinabwärts bis nach Rotterdam gefahren und rheinaufwärts bis hinab nach Basel. Der Rhein floss durch viele Länder, und endlich war Frieden.

Doch nun forderte die französische Regierung unter Adolphe Thiers das linke Rheinufer – bis an den Rhein, seine „natürliche Grenze“ sollte Frankreich reichen. Das war auch ein Ablenkungsmanöver, denn Frankreich hatte seine Interessen im Orient nicht gegen die Englands, Österreichs, Preußens und Russlands durchsetzen konnte – die alte anti-französische Koalition hatte Frankreich ein „diplomatisches Waterloo“ bereitet. Die französische Öffentlichkeit war empört, man befestigte Paris, drohte dem Deutschen Bund offiziell und in der Presse monatelang mit Krieg und rüstete militärisch und geistig auf.

Das brachte die meisten Menschen gegen Frankreich auf, und das nicht nur am Rhein. Schon Ernst Moritz Arndt hatte auf dem Höhepunkt des Befreiungskampfes gegen Napoleon gedichtet: „Der Rhein, Teutschlands Strom, nicht Teutschlands Gränze“. Und dem König von Preußen und seinem Sohn saß die napoleonische Zeit noch in den Knochen, so etwas wollte man nie mehr erleben. Dichter und andere Geistesgrößen auf beiden Seiten machten verbal mobil. Nikolaus Becker schrieb sein Gedicht „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“, und ins gleiche Horn stieß Max Schneckenburger mit seiner „Wacht am Rhein“. Heinrich Hoffmann von Fallersleben schrieb 1841 das „Lied der Deutschen“, ein Aufruf zur Einigkeit, denn nur so könnte Deutschland Aggressionen abwehren. Vor allem Beckers Lied war ungeheurer populär, und er empfing Ehrengaben der Könige von Preußen und Bayern.

Noch einmal bewährte sich die Diplomatie Staatskanzler Metternichs, der Konflikt wurde friedlich beigelegt. Im Oktober 1840 trat Thiers zurück, sein Nachfolger war versöhnlicher. „Das muss man Metternich lassen“, dachte Jean, „verhandeln kann er“. Auch er war erleichtert. Die Menschen auf beiden Seiten des Rheins und weit darüber hinaus hatten als Patrioten zusammengestanden, und doch spürte Jean, dass die Rheinkrise noch etwas anderes, bedrohliches hervorgebracht hatte. Ihm waren Beckers und Schneckenburgers Lieder viel zu militant, und das Wort von der „Erbfeindschaft“ zwischen Frankreich und Deutschland klang schrecklich in seinen Ohren. „Ach Vater Rhein“, sagte er leise, „Deine Kinder sollten sich nicht mehr bekriegen!“

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