Restaurationspolitik

Der Denkerclub, 1819
Der Denkerclub, 1819

[Rheinprovinz und Deutschland, um 1815]

Während der Befreiungskriege hatte König Friedrich Wilhelm III. seinem Volk eine Verfassung versprochen. Zudem stand in Artikel 13 der Bundesakte des Deutschen Bundes, dass die Fürsten ihren Ländern eine Verfassung geben sollten. Doch inzwischen hatte sich vieles geändert. Die alte Ordnung war wiederhergestellt und von der Heiligen Allianz bekräftigt worden, und so rückte König Friedrich Wilhelm von Preußen von seinem ohnehin nur halbherzigen Versprechen ab. Für Österreichs Staatskanzler Fürst Metternich bedeuteten Meinungsfreiheit, Presse- und Versammlungsfreiheit und das Streben nach nationaler Einigkeit Unruhe und Gefahr für die Sicherheit, und so unterdrückte er sie mit aller Gewalt.

Burschenschaften

Doch die Ideen von bürgerlichen Rechten und Freiheiten und nationaler Einheit hatten in West- und Mitteleuropa feste Wurzeln geschlagen. Ausgehend von Jena schlossen sich viele Studenten in Burschenschaften zusammen. Im Oktober 1817 feierten Burschenschaftler auf der Wartburg den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, und unter dem Jubel der Zuhörer forderten die Redner „Ehre, Freiheit, Vaterland!“. In Berlin ließ König Friedrich Wilhelm III. „seine entschiedenste Missbilligung“ verkünden.

Karlsbader Beschlüsse

In Wien verfolgte Staatskanzler Metternich die Ereignisse mit wachsendem Argwohn. Als dann der Schriftsteller von Kotzebue, politisch reaktionär und ein Zuträger des Zaren, von einem radikalen Burschenschaftler ermordet wurde, berief er im August 1819 eine Ministerkonferenz nach Karlsbad ein. Ergebnis waren Karlsbader Beschlüsse, die, in vier Gesetze gefasst, auf der Bundesversammlung des Deutschen Bundes vom 20. September 1819 bestätigt wurden.

Zensur und Verfolgung

Nun wurden die Burschenschaften verboten, Professoren und Studenten vom Staat überwacht, Zeitungen und Bücher zensiert. Schlimmer noch, verdächtige Personen wurden als Demagogen (Volksverführer) angesehen und wegen „revolutionärer Umtriebe“ verfolgt. Unter ihnen waren Männer, die sich während der preußischen Reformen und der Befreiungskriege große Verdienste erworben hatten, so der Freiherr von und zum Stein, General Gneisenau, der „Turnvater“ Jahn und der Koblenzer Publizist Joseph Görres. Der renommierte Bonner Professor Ernst Moritz Arndt wurde 1820 suspendiert, sechs Jahre später musste er ganz seine Professur ganz aufgeben.

Die „Nacht auf dem Drachenfels“ (1818)

Trotzdem feierten auch Studenten der 1818 neu gegründeten Bonner Universität am 18.10.1819 den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, und zwar am Landsturmdenkmal auf dem Drachenfels, das dort zu Ehren der Gefallenen in den Befreiungskriegen errichtet worden war. Die preußischen Behörden reagierten sofort und verboten den Studenten jede Teilnahme an Burschenschaften oder anderen Verbindungen.

In jener Nacht war auch Heinrich Heine mit dabei, er war für kurze Zeit an der Bonner Universität eingeschrieben. Über dieser Nacht dichtete er „Die Nacht auf dem Drachenfels“, erschienen 1827 im „Buch der Lieder“.

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