Märzrevolution

März 1848 in Berlin, Camphausen, Hansemann
März 1848 in Berlin, Camphausen, Hansemann

[Deutscher Bund, 1848]

Die ganze Wut über die Restaurationspolitik, die große Not und die Gleichgültigkeit der Obrigkeit brachen sich Im März 1848 Bahn. „In Frankreich hat die Revolution gesiegt“ riefen Menschen auf den Straßen, und die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Schon in den ersten Märztagen zogen in vielen Städten Menschen mit schwarz-rot-goldenen Fahren durch die Straßen und jubelten, wenn Redner Einheit in Freiheit verlangten – ein Bundesparlament als Vertretung aller, das Recht auch für das Volk, Waffen zu tragen und Bürgerwehren aufzustellen, Pressefreiheit und Schwurgerichte.

Zugeständnisse und „Märzminister“ (1848)

Überrascht, vielleicht sogar überrumpelt von den Aufständen machten die Herrscher der deutschen Mittel- und Kleinstaaten schnell Zugeständnisse; vor allem stellten sie liberale Minister ein, die sogenannten „Märzminister“. Der Bundestag hob die Pressezensur auf und erklärte Schwarz-Rot-Gold zur deutschen Bundesfahne.

Mitte März erreichte die Revolution Wien. Studenten demonstrierten vor der Hofburg in Wien und forderten die Aufhebung der Zensur sowie eine allgemeine Volksvertretung. Als gegen die Militär eingesetzt wurde, schlossen sich Bürger und Arbeiten den Demonstrationen an. Staatskanzler Metternich musste seinen Rücktritt erklären und floh nach England. Auch in Wien sollte eine neue Verfassung erarbeitet werden, und die nichtdeutschen Völker der Donaumonarchie forderten Selbstregierung.

In Bonn erklingt die „Marseillaise“

Auch das Städtchen Bonn war in freudigem Aufruhr, man sah viele schwarz-rot-goldene Fahnen aus den Häusern und Fenstern wehen, und die Menschen jubelten zogen in Scharen auf den Marktplatz, um den Bonner Professor Gottfried Kinkel zu hören, der mit einer schwarz-rot-goldenen Fahne in der Hand in glühenden Worten von Freiheit und Einigkeit sprach. Deutschland sollte von einem Staatenbund zu einem Bundesstaat werden, der von der Eintracht seiner Bürger getragen wurde und im Frieden mit den Nachbarn lebte. Es waren Tage voller Hoffnung, voller Freude.

Auch Anni und ihr Vater Hubert waren unter den Zuhörern. Sie hatte ganz im Zeichen der Freude ihren Hut mit schwarz-rot-goldenen Bändern und Schleifen verziert. Nach Kinkels Rede gönnten sie sich einen Imbiss auf dem Marktplatz. Auf einmal hörte sie auf. „Contre nous de la tyrannie ..“ das waren die Klänge der Marseillaise, des Kampfliedes der Soldaten des revolutionären Frankreichs, die gegen die Armeen Österreichs und Preußen gezogen waren. Französisch war Annis zweite Muttersprache, und sie kannte den Text. „Gegen uns steht die blutige Standarte der Tyrannei.“ Jetzt zuckte sie zusammen. Niemand hatte bislang von Gewalt gesprochen. Der König, das war noch immer Friedrich Wilhelm IV., den sie als kleines Mädchen bei seinem ersten Besuch am Rhein gesehen hatte. Damals war er Kronprinz gewesen. Derselbe Kronprinz würde doch nicht das Blut seines Volkes an seinen Händen kleben haben wollen.

Auch Ihr Vater schien bedrückt. Er wollte nicht schlecht vom König denken, doch gab er sich keinen Illusionen hin. „Ich glaube auch nicht, dass er die Menschen verachtet“, sagte er, „doch er ist zutiefst überzeugt, dass er durch Gottes Gnade König von Preußen ist, und der Gedanken, seine Macht an eine Verfassung zu binden, passt da überhaupt nicht.“ „Aux armes, compatriotes, formez vos batallions ..“ klang der Refrain der Marseillaise. Anni zuckte zusammen. Bloß das nicht. Sie hoffte aus tiefstem Herzen, dass kein Blut fließen würde, und doch konnte es gut sein.

In den nächsten Tagen überschlugen sich die Nachrichten aus Berlin.

Auch in Berlin waren viele Menschen auf die Straße gegangen. König Friedrich Wilhelm IV. wollte – wenn auch nicht freiwillig – Zugeständnisse machen. Am 18. März zog eine große Menschenmenge vor das Berliner Schloss, wo der König auf den Balkon treten und sie verkünden würde. Plötzlich fielen zwei Schüsse, und sofort schlug die Stimmung um. Menschen rissen Plastersteine aus dem Boden, bewaffneten sich mit allem was brauchbar war, bauten Barrikaden und verschanzten sich gegen die heranrückenden Truppen. Vom 18. bis in die Morgenstunden des 19. März tobten Barrikadenkämpfe, hunderte Menschen kamen um. Die Sache der Aufständischen war schon verloren, doch der König, ehrlich erschüttert, wollte kein weiteres Blutvergießen und befahl den Abbruch des Kampfes – sehr zum Missfallen seinen Bruders Wilhelm, des späteren Kaisers Wilhelm I. Wäre es nach ihm gegangen, hätte man die „Aufrührer mit Kartätschen zusammengeschossen“, was ihm für die nächsten Jahre den Beinamen „Kartätschenprinz“ eintrug. Auf Geheiß des Königs musste Wilhelm außer Landes nach England gehen.

Am nächsten Tag hatte man die Särge der Gefallenen in den Schlosshof getragen. Friedrich Wilhelm IV. nahm seinen Hut ab und verneigte sich vor ihnen. Zwei Tage später ritt er mit einer schwarz-rot-goldenen Binde durch die Straßen Berlins und verkündete: „Ich habe heute die alten deutschen Farben angenommen und mich und mein Volk unter das ehrwürdige Banner des deutschen Reiches gestellt. Preußen geht fortan in Deutschland auf“. Doch nur die Ereignisse hatten den König zum Einlenken bewegt, keine innere Überzeugung.

„Märzminister“ Ludolf Camphausen – ein Bürgerlicher aus der Rheinprovinz wird Kabinettschef

Am 29. März bildete Friedrich Wilhelm IV. ein Kabinett mit den rheinischen Liberalen Ludolf Camphausen und David Hansemann. Das hatte es noch nie gegeben: ein Bürgerlicher aus der Rheinprovinz leitete das Kabinett des Königreichs Preußen! Aber auch die Krone profitierte, denn die beiden Herren waren finanzkräftige Unternehmer. Im Kabinett saßen gemäßigt liberale Großbürger und Adlige. Einig waren die liberalen „Märzminister“ in ihrem Drängen auf eine Verfassung, uneinig waren sie über deren Ausgestaltung. Wie sollte die Macht zwischen König und Parlament geteilt werden? Worauf beruhte sie, erkannte man die Verdienste der Revolution an und das Volk als Souverän? Das wäre das Gegenteil von „Gottesgnadentum“, und selbst wenn Regierungschef Camphausen so gedacht hätte, dem König hätte er es nie vermitteln können. Zudem war das Regieren ohnehin schwierig, denn die stockkonservative Hofkamarilla um den König lauerte nur darauf, ihn wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die Demokraten (1848/49)

Im März 1848 hatte die Revolution gesiegt. Ein spontan zusammengekommenes Vorparlament beschloss die Ausschreibung von allgemeinen und gleichen Wahlen zu einer deutschen Nationalversammlung, als Termin wurde der 1. Mai 1848 gesetzt; zum ersten Mal würde in allgemeiner, gleicher und indirekter Wahl gewählt. Am selben Tag sollte auch für das Königreich Preußen eine Nationalversammlung gewählt werden.

Doch auch der Gegensatz zwischen Liberalen und Demokraten, ja sogar zwischen den Demokraten kam deutlich zum Ausdruck. Liberale wie Heinrich von Gagern, der spätere Präsident der Nationalversammlung, setzten auf die konstitutionelle Monarchie und wollten sich eine Vereinbarung der Verfassung mit den Ländern zumindest offen halten. Dies war überhaupt nicht im Sinne der Radikalen um Friedrich Hecker. Am 12. April 1848 rief er in Konstanz eine provisorische Regierung aus und zog mit 6000 Freischärlern nach Freiburg, wurde aber schon am 20. April 1848 durch Regierungstruppen geschlagen. Die gemäßigten Demokraten machten ihm bittere Vorwürfe, dass er der ganzen Bewegung demokratischen Bewegung geschadet habe.

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