Kein Verständigungsfrieden

Hindenburg, Wilhelm II., Ludendorff
Hindenburg, Wilhelm II., Ludendorff

[Rheinprovinz, 1916/17]

Der Krieg ging schon ins dritte Jahr, und es gab keine Aussicht auf Frieden. Mehrfach hatte Papst Benedikt XV zu Friedensverhandlungen gedrängt, vergeblich. Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg hatte der Entente im Namen der Mittelmächte Friedensverhandlungen angeboten. Doch die Note war vage gehalten, man betonte die eigene Kraft und zeigte keine Bereitschaft zur Räumung besetzter Gebiete, und die Entente hatte rundweg abgelehnt. Die Befehlshaber in Deutschland fühlten sich im Recht, den Krieg mit aller Gewalt fortzusetzen.

Der innenpolitische Burgfriede zerbricht

Matthias erholte sich langsam von seiner Kriegsverletzung. Noch immer zog er das verletzte Bein leicht hinterher, war aber durchaus flott unterwegs. Wo immer er konnte, packte er mit an. Doch seine Seele erholte sich nicht. Lottie spürte, wie sehr die schrecklichen Erfahrungen ihren Mann verändert hatten. Oft hatte er nachts Alpträume, doch er sprach nicht darüber.

„Viele Menschen können einfach nicht mehr“, begann Lottie, „sie sehnen sich nur noch nach Frieden. Längst glauben sie nicht mehr, dass wir den Krieg doch noch gewinnen – nun, wo auch noch die Amerikaner gegen uns sind.“ Bei diesen Worten ging ihnen beiden ein scharfer Schmerz durch das Herz. „Ich weiß, ich weiß“, antwortete Matthias, „auch in der Politik“. Die SPD war über die Kriegskredite zerbrochen, die Gegner hatten am 7. April 1917 die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) gegründet. Da auch die Gewerkschaften die Burgfriedenspolitik stützten, wählten die Arbeiter in ihren Betrieben Vertrauensleute, die Revolutionären Obleute, die Protestaktionen organisierten und weitgehend die USPD unterstützten.

Die Friedenresolution

Matthias Erzberger vom Zentrum hatte in einer als sensationell empfundenen Rede vor dem Hauptausschuss am 6. Juli 1917 den Militärs falsche Angaben über die Effektivität des U-Boot-Krieges nachgewiesen und Konsequenzen gefordert. Nach außen müssen Deutschland einen Verständigungsfrieden ohne „erzwungene Gebietserwerbungen“ anstreben, nach innen eine engere Fühlungnahme zwischen Regierung und Parlament. Am 19. Juli 1917 brachte Matthias Erzberger im Reichstag eine vom Zentrum, der SPD und den der liberalen Fortschrittspartei erarbeitete Friedensresolution im Reichstag ein; mit den Stimmen des Zentrums, der Fortschrittlichen Volkspartei und der SPD wurde sie verabschiedet. „Hoffen wir auf die Friedensresolution, hoffen wir auf einen Verständigungsfrieden!“

„Nicht mit dieser Obersten Heeresleitung“, meinte Matthias düster, „sie wollen den Sieg, koste es was es wolle. Hindenburg und Ludendorff haben riesige Gebiete im Osten erobert und bauen dort einen Staat auf, auf Annexionen werden die nie verzichten. In ihren Augen ging Erzbergers Rede im Reichstag schon entschieden zu weit.“

Dann brach es aus ihm heraus. „Glaube der Propaganda nicht“, meinte er. „Von den Dörfern an der Somme steht gar nichts mehr. Wir haben verheerende Verluste erlitten, danach hat sich die OHL für einen strategischen Rückzug entschieden, die Front sollte verkürzt werden, um so Menschen und Material einzusparen und freizumachen. Beim Rückzug auf die „Siegfriedlinie“ von Arras über St. Quentin bis Soissons wurde das Gebiet systematisch verheert, teilweise vermint, ganze Ortschaften wurden gesprengt und an die 150.000 Personen deportiert. Sie haben alles gesprengt, jeden Baum gefällt, Straßen vermint, Brunnen verseucht, jeden Flusslauf abgedämmt, Schienen und Telefondrähte abgerollt, wo es eines Dörfer waren ist nur noch Tod und Zerstörung. Sie werden uns auf ewig hassen.“

Matthias sollte Recht behalten. Die OHL sah in der Friedensresolution ein Eingeständnis der Schwäche und erzwang den Rücktritt des Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg. Zwar wurde ein neuer Reichskanzler ernannt, de facto aber bestimmte fortan die OHL, genau gesagt General Ludendorff, die deutsche Politik. Kaiser Wilhelm II. war längst an den Rand gedrängt und zeigte sich der Situation längst nicht mehr gewachsen.

Die Friedensresolution schuf Erzberger zahlreiche Gegner innerhalb der alten, um ihre Stellung führenden Eliten und macht ihn zum Gegenstand einer gezielten Hetze.

Amerika wird zum Feind

Ab Juni 1917 entsandten die USA Truppen nach Europa. Auch nach der Kriegserklärung an Deutschland blieben die USA und Österreich-Ungarn in Kontakt. Bis zur 12. Isonzoschlacht im Oktober 1917. Im Morgenstunden des 24. Oktober 1917 begann ein massiver Giftgasangriff der Deutschen und Österreicher, danach hatte die Artillerie alles dem Erdboden gleichgemacht. Deutschen und Österreich-Ungarn stießen bis tief in Italien hinein. Der Druck der Entente, auch Österreich-Ungarn den Krieg zu erklären, stieg. Ex-Präsident Theodore Roosevelt startete eine Kampagne für die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn. Sie kam im Dezember 1917, und galt vor allem dem Verbündeten und „Vasall der deutschen Regierung“, der dessen unrechtmäßigen und rücksichtslosen U-Boot-Krieg unterstützte.

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