Preußen am Rhein

Friedrich Wilhelm IV. Koblenz
Friedrich Wilhelm IV. Koblenz

Der Wiener Kongress 1814/15 gab das Rheinland an Preußen. Als preußische Bürger erlebten die Rheinländer die Gründung des Kaiserreiches, die Katastrophe des Ersten Weltkriegs und die Weimarer Republik.  „200 Jahre Rheinprovinz“ ist ein Streifzug durch diese Zeit.

Vor 1815

Nach dem Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ist es mit dem Großherzogtum Berg vorbei, die französischen Amtsträger fliehen Hals über Kopf aus Düsseldorf. Es folgt die Zeit des Generalgouvernements Berg. Schließlich gibt der Wiener Kongress 1814/15 das Rheinland an Preußen.

Nach vielen Jahren als Näherin im Dienst des Großherzogtums Berg kehrt Anna Eulalia „Oma“ Limbach in ihr Häuschen in Königswinter am Rhein zurück. Die französischen Beamten haben die Kasse mitgenommen; in Oma Limbachs Gepäck sind die übrig gebliebenen goldenen Litzen und prächtigen Stickgarne für französische Gala-Uniformen, die nun niemand mehr braucht.

1815-1848

Der Vormärz. Es ist eine Zeit großer kultureller Blüte, aber auch eine Zeit der politischen Unterdrückung. Der preußische Staat erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die einsetzende Industrialisierung, aber auch große sozialer Not.

Oma Limbach und ihre Schwiegertochter Henriette bauen sich im „Limbach-Stübchen“ eine neue Existenz auf. Oma Limbach gibt mit den Litzen und Stickgarnen alten Kleidern und Hüten neuen Chic, Henriette, die Brüsselerin, schenkt Schokolade aus. Ihr Sohn Hubert wird Lehrer. Ihrer beider Tochter Anni gründet mit Jean, Kapitän auf einem Rheindampfer, eine Familie.

1848-1871

Die Wut und die Not der Menschen entladen sich in der Märzrevolution. Doch die Revolution scheitert, es folgen Jahre der Reaktion; Demokraten werden verfolgt und schikaniert. Preußen macht Österreich die Vorherrschaft in Deutschland zunehmend streitig. Schließlich schmiedet Bismarck das Deutsche Reich, mit Blut und Eisen.

Auch Limbachs sind überzeugte Demokraten. Huberts Familie wird verleumdet, sie gehen zu Henriettes Verwandten nach Brüssel. Cousin Lorenz Bergmann flieht in die USA. Erst Jahre später kann Huberts Familie zurückkehren. Seine Enkelin Sophie, eine begabte Hutmacherin, setzt Oma Limbachs Tradition fort. Dann verliebt sie sich in den k.u.k Diplomaten Graf Andras Csabany.

Kaiserreich (1871-1914)

Nach der Reichsgründung durch Bismarck sind auch die Rheinländer überzeugte Patrioten. Belle Epoque nennt man diese Zeit dies ungefähr 30 Jahre um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Europa. Das aufstrebende Deutsche Kaiserreich will seinen Platz unter den Weltmächten.

Nach zwei Kriegen können Sophie und ihr Mann Graf Andras endlich glücklich leben. Andras wird ein geachteter Diplomat, Sophie baut ein Ausbildungs- und Austauschprogramm für Hutmacherinnen auf. Ihre Kinder Lottie und Joscha erleben eine glückliche Kindheit und Jugend. Joscha wird Diplomat, Lottie heiratet auf das Weingut Bergmann. Das „Stübchen“ wird ein Kolonialwarenladen.

Erster Weltkrieg (1914-1919)

Der Kriegsausbruch 1914 stürzt die Welt in eine Katastrophe. Am Ende sind Millionen Menschen tot, gefallen, verhungert oder verkrüppelt. Noch mehr Opfer fordert die Spanische Grippe. Österreich-Ungarn bricht auseinander. Die Novemberrevolution fegt das Kaiserreich und auch das Königreich Preußen hinweg.

Auch für Sophies Familie beginnt eine schlimme Zeit. Geliebte Menschen kommen um. Lotties Mann Matthias muss an die Westfront. Ihre Kinder Kathi und Walter und die Bergmanns betreiben im „Stübchen“ eine Suppenküche, auf dem Weingut Bergmann einen Kindergarten. Joscha und sein Vater Andras gehen zurück nach Österreich-Ungarn.

Freistaat Preußen (1919-1929)

Die Niederlage kam für die meisten Menschen überraschend, und nun muss Deutschland einen harten Friedensvertrag unterschreiben, die Alliierten besetzen das Rheinland. Die junge Weimarer Republik steht vor überwältigen Problemen, und die Extremisten von rechts geben den Demokraten die Schuld daran.

Aus ihrer Liebe schöpfen Kathi und ihr Mann Max Kraft für einen Neuanfang. Unterstützung kommt von ihren entfernten amerikanischen Verwandten, die bei den American Forces in Koblenz stationiert sind. Doch das Krisenjahr 1923 bringt alle ans Ende ihrer Kraft. Erst langsam geht es wieder aufwärts mit dem „Stübchen“ und dem Weingut Bergmann.

Freistaat Preußen (1929-1933)

Wenige Jahre des Aufschwungs sind der Weimarer Republik vergönnt, dann reißt die Weltwirtschaftskrise auch Deutschland in den Abgrund; Millionen sind arbeitslos und verelenden. Die Radikalen gewinnen die Oberhand. Das Ende kommt mit dem Preußenschlag 1932.

Wieder ist das „Stübchen“ Anlaufstelle für notleidende Menschen. Kathis Familie spürt, welche Gefahr der Demokratie von den Nationalsozialisten droht. Nach dem Preußenschlag und dem Wahlsieg der NSDAP wird der Sozialdemokrat Max verfolgt. Schweren Herzens entschließen sich Kathi und Max, mit ihren Kindern zu ihren Verwandten in den USA zu gehen.

Nach 1933

Nach dem Preußenschlag gibt es den Freistaat Preußen de facto nicht mehr. Es folgt die Gleichschaltung der Länder durch die Nationalsozialisten, Tod und Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Sieg beschließen die Alliierten, Preußen aufzulösen.

Von Amerika aus sehen Kathi und Max, wie ihr Heimatland zu Nazi-Deutschland wird. Ihre Kinder wachsen in den USA heran und gründen dort Familien. Als ältere Herrschaften kommen Kathi und Max zurück, um ihren Lebensabend in der alten Heimat zu verbringen. Auf dem Bonner Marktplatz erleben sie den Besuch General de Gaulles.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*