Deutscher Krieg

Schlacht von Langensalza
Schlacht von Langensalza

[Deutschland und Böhmen, 1866]

Graf Csabany wusste, dass es nicht gut aussah für Österreich. Der Befehlshaber Benedek war ein verdienter Offizier, doch vieles sprach zugunsten der Preußen. Inzwischen war die Friedensstärke der Streitkräfte verdoppelt, die Kriegsstärke fast verdreifacht worden; in Preußen herrschte Wehrpflicht. Zudem waren die preußischen Truppen mit den neuen Zündnadelgewehren bewaffnet – Hinterlader, die ohne Ladestock auskamen, so dass die Männer geschützt und im Liegen nachladen konnten. 1864 im Dänischen Krieg hatten die österreichischen Offiziere die Vorteile dieser Waffe gesehen: äußerste Zuverlässigkeit verbunden mit der drei- bis fünffachen Feuergeschwindigkeit.

In Österreich hingegen hatte die Regierung dem Militär immer wieder Mittel und Kräfte gestrichen; gerade im letzten Jahr waren die Kürzungen einschneidend gewesen. Vergeblich hatten Benedek und andere hohe Militärs immer wieder deutlich vor den verhängnisvollen Folgen dieser Sparpolitik gewarnt.

Königgrätz

Als erste marschierten am 21. Juni die Elbarmee mit Männern aus Koblenz und die Erste Armee des Kaiserneffen Friedrich Karl in Böhmen ein; die Zweite Armee, die Kronprinzen-Armee, marschierte am 26./27. über die böhmische Grenze. Vor Königgrätz gab es zwischen dem 26. und 29. Juni in Böhmen zehn Gefechte mit den Preußen, in denen deutlich mehr Österreicher als Preußen fielen. Noch am 1. Juli hatte man einem aus Wien herangeeilten kaiserlichen Berichterstatter mit deutlichen Worten von der furchtbaren Wirkung des Zündnadelgewehres berichtet, die man allseits unterschätzt habe. In einem Telegramm an den Kaiser wurde Benedek noch deutlicher: „Bitte Eure Majestät dringend, um jeden Preis Frieden zu schließen, Katastrophe für Armee unausweichlich.“ Die Antwort des Kaisers lautete: „Einen Frieden zu schließen unmöglich. Ich befehle, wenn unausweichlich, den Rückzug in größter Ordnung anzutreten.“ Dazu schrieb der Generaladjutant die Frage: „Hat eine Schlacht stattgefunden?“. Benedek durfte also nur den Rückzug antreten, „wenn unausweichlich“.

Am nächsten Morgen standen die Spitzen der Ersten Armee und der Elb-Armee in Sichtkontakt mit der österreichischen Nordarmee, Benedek musste die Schlacht annehmen. Erst noch zahlenmäßige Überlegenheit, Kampfkraft deutlich unterlegen. Die Unterlegenheit der Waffen wirkte sich verheerend aus. Auch die gravierenden organisatorischen Einschnitte wurden Österreich zum Verhängnis: Das Offizierskorps unvollständig, vor allem fehlten Unteroffizieren und Chargen, die Stäbe waren überlastet, was die Erstellung und Weitergabe von Befehlen bzw. Meldungen deutlich verzögerte. 200.000 preußische Soldaten, besser geführt und mit überlegenen Hinterladergewehren ausgestattet, hatten 215.000 Österreicher herankommen lassen und dann das Feuer eröffnet. Als die Zweite Armee des Kronprinzen eintraf, war die Schlacht verloren. Tausende Tote waren zu beklagen. Benedek schaffte es, seine Armee auf das rechte Donauufer bei Bratislava zurückzuführen, und sie als Machtfaktor kampfkräftig zu halten. Man konnte die Preußen nicht besiegen, aber wenigstens zu einem raschen Friedensschluss beitragen. In Böhmen schweigen ab dem 22. Juli 12 Uhr die Waffen.

Preußen hat gesiegt

Dann trafen sich preußische und österreichische Bevollmächtigte im böhmischen Nikolsburg, um einen Vorfrieden zu verhandeln. Kaiser Napoleon III. von Frankreich bot Vermittlung an – nicht ohne Hintergedanken. Es kam zu einem erbitterten Streit zwischen Kaiser Wilhelm I. und Bismarck, als der König nun den Triumph genießen und als Sieger in der österreichischen Hauptstadt einmarschieren wollte. Bismarck aber wollte Österreich schonen – nicht aus Sympathie, sondern weil er es künftig wieder als Verbündeten haben wollten. Warum denn auch nicht. Sachsen, Hannover, Kurhessen und Nassau waren annektiert. Am 16. Juli 1866 war die Preußische Mainarmee kampflos in die freie Reichsstadt Frankfurt eingerückt. Als die preußische Armee am 26. Juli auf die Bayrische Armee traf und der Krieg bitteres Leid über Franken brachte, war er längst entschieden.

Nein, Bismarck und Preußen hielt in Deutschland keiner mehr auf. Allenfalls in Europa der französische Kaiser, dem eine starke Macht an seiner Ostgrenze nicht recht war – da war es mittelfristig schon besser, die Österreicher nun zu schonen anstatt sie Frankreich in die Armee zu drängen.

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