Das Ende der Republik

Einmarsch der SA durch das Brandenburger Tor
Einmarsch der SA durch das Brandenburger Tor

[Deutschland, Januar 1933]

Schon bald zeigte sich, dass Joscha mit seiner Vermutung richtig gelegen hatte. Exkanzler von Papen hatten seinen Machtanspruch mitnichten aufgegeben.

Ränke und Intrigen

Ein geheimes Treffen am 4. Januar zwischen Papen und Hitler im Haus der Kölner Bankiers von Schröder war doch nicht geheim geblieben. Ein gut mit Schleicher bekannter Journalist hatte Wind davon bekommen und einen Fotografen nach Köln geschickt, und dem war es gelungen, die Beteiligten beim Betreten von Schröders Haus abzulichten. Noch am selben Tag wusste Schleicher Bescheid, am folgenden Tag berichteten die Zeitungen „Hitler und Papen gegen Schleicher“. Ganz offensichtlich verhandelte Papen in Hindenburgs Sinn hinter Schleichers Rücken mit Industriellen.

Schleicher bat den Reichspräsidenten um die Vollmacht, den Reichstages ohne Ausschreibung von Neuwahlen innerhalb der nächsten zwei Monate aufzulösen. Er wollte so den Druck der negativen Mehrheit von NSDAP und KPD abschütteln, doch er bekam die Vollmacht nicht.

Papen spielte in den Hände, dass Schleicher sich durch seine Agrarpolitik die ostelbischen Landadligen, Hindenburgs Kreise, zum Feind gemacht hatte. Papen und Hindenburgs Sohn Oskar drängten ihn, dass er diesen „Agrarbolschewismus“, der auch das Familiengut Neudeck der Hindenburgs gefährden konnte, nicht dulden konnte. Zudem hatte er einen Kontaktmann in Hitlers Umgebung: Joachim von Ribbentrop, den er während des ersten Weltkriegs im Nahen Osten kennengelernt hatte, vermittelte zwischen ihm und Hitler.

Auf dem Weg nach Amerika

Erst kurz vor dem Hafen in Bremerhaven hatten Kathi und Max ihren Kindern eröffnet, dass es nun für eine ganze Weile nach Amerika ging. Jonas begriff die Tragweite ihrer Entscheidung noch gar nicht richtig. Robert war wütend geworden, dass sie ihm nicht die Wahrheit gesagt hatte. „Aber meine Freunde, ich konnte mich gar nicht verabschieden!“ „Gib‘ ihm ein bisschen Zeit“, sagte Max zu Kathi, „das muss er erst verarbeiten, und er hat ein Recht auf seine Wut.“

Einige Zeit später kam Robert zu ihnen. „Es ist wegen der Braunen, nicht?“, sagte er, „sie hetzten schon in der Schule gegen die Leute, die anders denken, dass ihr ‚Führer‘ Hitler denen allen den Garaus machen wird. Wir denken auch anders.“ Seine Eltern drückten ihn ganz fest an sich. „Es sieht so aus, als wenn der Hitler bald an der Macht sein wird“, sagte Max, „und mach‘ Dir keine Sorgen wegen Deiner Freunde, sie werden das verstehen, und die Oma Lottie wird den Rest schon machen.“

Hitlers Ernennung

Noch immer hatte Hindenburg persönliche und politische Vorbehalte gegen Hitler. Doch Papen hatte den entscheidenden Plan. Mit Hugenberg und seinen deutschnationalen Ministern, immerhin hatte die letzte Wahl der DNVP Auftrieb gegeben, wollte er einen Reichskanzler Hitler „so in die Ecke zu drängen, dass er quietscht“. Zudem waren Gerüchte im Umlauf, dass Schleicher einen Putsch plante, um die Regierung Hitler-Papen zu verhindern. Am 28. Januar 1933 wurde Schleicher entlassen. Er gab auf uns zog sich ins Privatleben zurück.

Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Hitler zu Reichskanzler und vereidigte ihn auf die Weimarer Verfassung. In die Reichskanzlei zogen die Nationalsozialisten ein mit den Worten: „Keine Macht der Welt wird mich jemals lebend hier wieder herausbringen!“

Preußen

Nach dem „Preußenschlag“ vom Juli 1932, der Absetzung der demokratisch gewählten Mitte-Links-Regierung Braun durch Reichskanzler von Papen, gab es den Freistaat Preußen nicht mehr. Formal bestand Preußen weiter, doch der freie republikanische Staat war Vergangenheit. Die geschäftsführende Regierung hatte vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig geklagt. Der Gericht befand, dass die Aufhebung rechtswidrig gewesen war, eine „vorübergehende“ Einsetzung von Reichskommissaren jedoch verfassungskonform wäre. So blieben Otto Braun und sein Kabinett formal im Amt, doch alle Macht hielt das Reichskommissariat in den Händen.

Am 6. Februar wurde Braun durch eine Notverordnung seines Amtes enthoben. Verfassungsgemäß konnte nun ein Dreierkollegium aus Papen, dem Landtagspräsidenten und Adenauer als Vorsitzendem des Staatsrates über die Auflösung des Landtages entscheiden. Gegen Adenauer verfügten die anderen die Auflösung. Alle demokratischen Ministerialbeamten, Regierungs- und Polizeipräsidenten, die nicht schon im Juli 1932 entlassen worden waren, wurden ihrer Ämter enthoben.

Am 5. März 1933 wurde in Preußen ein neuer Landtag gewählt. Die 44% der NSDAP reichten zur absoluten Mehrheit, da die Mandate der Kommunisten längst aberkannt waren. Der neugewählte Landtag bestätigte die Absetzung der Regierung Braun, sie trat zurück. Hitler machte Hermann Göring zum Reichskommissar des Inneren für Preußen. Damit unterstand Göring auch die preußische Polizei. Am 17. Februar 1933 erließ er den „Schießerlass“ – seine Polizei konnte mit rücksichtsloser Gewalt gegen politische Gegner vorzugehen; SA, SS und Stahlhelm wurden zu „Hilfspolizisten“ ernannt. Aus der politischen Polizei Preußens ging dann die Gestapo hervor.

Mit der nach dem Reichstagsbrand erlassenen „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ hatten die Nationalsozialisten bei der Verfolgung ihrer Gegner freie Hand. Verschleppt und inhaftiert wurden vor allem Funktionäre der KPD und der SPD. Vor der erdrückenden Übermacht und dem Terror der NSDAP resignierend, lösten sich sämtliche Parteien bis Anfang Juli 1933 selbst auf, nachdem die SPD am 22. Juni verboten worden war.

Der Weg in die Diktatur

Schon am 24. März 1933 übertrug der Reichstag mit dem „Ermächtigungsgesetz“ für die nächsten vier Jahre die bisher beim Parlament liegende gesetzgebende Gewalt der Regierung Hitler. Nur die SPD stimmte dagegen.

Oppositionelle Politiker und Beamte verloren ihre Posten, auch der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Hitlers einstige Gegner überlebten seine Machtergreifung nicht lange. Auf seinen Befehl hin wurde der ehemalige Reichskanzler von Schleicher ermordet, SA-Stabschef Ernst Röhm wurde verhaftet und liquidiert. Nach der „Nacht der langen Messer“ Mitte 1934 wurde auch Adenauer verhaftet und ist eine kurze Zeit im Gefängnis; während der folgenden zwei Jahre wechselte er aus Angst vor weiteren Verhaftungen mehrfach den Wohnort. Von Papen entkam mit knapper Not.

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